Refugio – der Traum vom gemeinsamen Leben

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Flüchtlinge? Geflüchtete? Refugees? Pahhh – wie sacht der Berliner: „Dat versteh ick nich. Als Flüchtling muss ma doch auf Flucht sein. Abba die sind doch längst anjekommen.“
„Ankommer“ so nennt Sven Lager dann auch folgerichtig die nach Berlin geflüchteten Menschen, die sich im Sharehaus Refugio der Berliner Stadtmission seit Sommer 2015 die Räume eines ehemaligen Altersheims mit schon länger hier lebenden Künstlern und Studenten teilen. Und es klappt. Die Ankommer aus den verschiedensten Regionen und Kulturen lernen gut Deutsch, gemeinsam Kochen, Wertschätzung und Mülltrennung. Und sie bringen sich mit ihren Gaben und Talenten ein – als soziale Moderatoren, fantastische Köche und engagierte Sozialhelfer. Jeder der ca. 40 Bewohner arbeitet irgendwo ehrenamtlich oder packt mit an, denn „Jeder kann etwas geben!“ – so eine der Grundüberzeugungen der Leiter.
Gelebt wird Jeder kann etwas geben nicht nur von Einzelnen, sondern vom ganzen Haus. Das Café und die anderen Räume werden auch anderen Initiativen wie etwa Nestwerk zur Verfügung gestellt und sind Knotenpunkt für Inspriation, Gemeinschaft und neue, innovative Ideen.
Sven Lager, der gemeinsam mit seiner Frau Elke Naters das Refugio initiiert hat und als Hausvater leitet, erzählt wie es zum Berliner Refugio kam:
IMG_20150129_095955Elkes und mein Traum war seit Jahren ein Haus der Schönheit, der Gemeinschaft und Anerkennung. Damit begannen wir in Südafrika 2012, dann mit der Berliner Stadtmission 2014 in Kreuzberg und jetzt seit 2015 mit dem Sharehaus Refugio. Es geht immer darum einen sicheren Ort zu schaffen, anerkennene Gemeinschaft und die Möglichkeit sich und die Gesellschaft zu erneuern. Wir glauben das ist ganz einfach, wenn wir jeden Menschen seine gottgegebenen Talente und Fähigkeiten einfach nutzen lassen.
Ganz besonders schön dass mit Geflüchteten zu leben, die wir als Geschenk empfinden und die uns bereichern.
Wir hatten so was wie ein Sharehaus Lab in Kreuzberg für ein Jahr, da trafen wir die meisten Menschen, mit denen wir auch das Refugio anfangen konnten. Wir, also Elke, ich, Andres Schlamm und Gerold Vorländer von der Berliner Stadtmission. Zusammen haben wir monatelang einen Businessplan ausgearbeitet und das Konzept entwickelt.
Das Zusammenleben ist die größte Herausforderung. Und das größte Geschenk. Wir sind uns nah, aber können privat bleiben. Was wichtig ist, dass wir auch für andere Projekte lernen wie gute Gemeinschaft funktioniert. Wir funktionieren ja in etwa wie eine interkulturelle, multilinguale und interreligöse StudentenWG auf Zeit. Die Zimmer sind privat und Bewohner sind auch Gastgeber im Refugio.
Wir können jetzt sofort mehrere Refugios oder Sharehäuser beraten und mithelfen sie aufzubauen. Wir machen das nicht selber, denn das ist etwas ganz persönliches. Ein Refugio, also ein Sharehaus mit Geflüchteten, braucht Visionäre vor Ort, die mitleben und -leiten, ein Haus, eigene Finanzen. Wir liefern dann das Programm und unterstützen.
Ganz wichtig: Refugios rechnen sich und schaffen gesunde Gemeinschaften. Vor allem um Berlin herum auf dem Land wollen wir neue Refugios etablieren, denn viele wollen aufs Land, und die Gegend hat viel Leerstand und Potential.
Was Sven und seine Mit-Visionäre brauchen, damit die Vision von vielen kleinen und großen Refugios in und um Berlin wahr werden kann:
  • Leerstehende Häuser zur Miete.  In Berlin oder im Umland.
  • Grundstücke auf denen man bauen kann.
  • Gebäude zur Zwischenutzung in denen Gemeinschaften auf Zeit leben können.

Wer was weiß und mitmachen will, kann sie am besten direkt über die Homepage des Refugio kontaktieren.

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