(Wohn)-Raum für Geflüchtete – was Firmen tun können

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Viele Firmen engagieren sich, um die hierher geflüchteten Menschen zu unterstützen und zu integrieren: Durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und Ausbildungsmöglichkeiten, durch Sachspenden, durch ehrenamtliches Engagement der Mitarbeiter usw. Das ist wunderbar.

Gerade in Ballungsgebieten ist Räume und Wohnraum für geflüchtete Menschen zu finden, eine der größten Herausforderungen. Im Juli 2016 lebten beispielsweise allein in Berlin 2000 Menschen, die ihr Asylverfahren erfolgreich abgeschlossen haben, hier wohnen und arbeiten dürfen, nach wie vor in Notunterkünften – weil andere Wohnungen fehlen. Dazu kommen Zehntausende anderer Geflüchteter, die noch im Verfahren sind oder in großen Wohnheimen leben, aber lieber mit einer Familie, einer WG oder in einer eigenen Wohnung leben möchten, um hier wirklich anzukommen.

Kleine Firmen und große Unternehmen können das Raumproblem lösen helfen – einige Möglichkeiten:

Raum gesucht – wie große und kleine Firmen konkret helfen können

Tagesgast – Räume zeitweise zur Verfügung stellen

Statt Massenunterkünften Orte zu haben, an denen sie in Ruhe sein können – das ist etwas, was geflüchtete Menschen am meisten brauchen und ersehnen. Sie wollen dem Lärm, der Enge und stickigen Luft der Massenunterkünfte entfliehen. Viele Firmen haben Konferenz- und Tagungsräume, die sie nur zeitweise nutzen. In manchen Cafés ist nicht jeder Tisch belegt. Was liegt näher als z. B. in Kooperation mit einer Flüchtlingsunterkunft in der Nähe Geflüchtete einzuladen, die Tische und Räume in den Zeiten, in denen sie leer stehen, zu nutzen. Und vielleicht entwickelt sich daraus ja mehr. Am besten geht das über direkten Kontakt.

App? Toll wäre es auch, wenn jemand mal eine Tagesgast-App oder Internet-Seite bauen würde, die Menschen, die Raum geben und die Raum suchen, zusammenbringt.

Mitarbeiter zur Wohnraumsuche aktivieren

Manche Unternehmen stellen Geflüchtete ein – doch oft sind die Angestellten noch in einer Notunterkunft oder in einem Mehrbett-Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht.  50 % der allein reisenden, meist jungen Geflüchteten wünschen sich, nach der Notunterkunft bei einer einheimischen Familie oder in einer WG zu wohnen, um gut Deutsch zu lernen und sich zu integrieren. Man könnte für die eigenen Mitarbeiter und auch für weitere Geflüchtete im Firmennetzwerk oder auf der Betriebspinnwand nach Zimmern bei Familien, in WGs und nach Wohnungen suchen. Die Bewohner zahlen Miete – entweder vom eigenen Einkommen oder die Kosten werden von den Sozialämtern übernommen. Verschiedene Initiativen in D – A – CH unterstützen bei der Vermittlung und den bürokratischen Prozessen.

Fachwissen / Ressourcen

Um Wohnraum zu vermitteln, zu bauen und zu teilen sind jede Menge Fähigkeiten nötig: Kommunikation, Presseerfahrung, Grafik, Übersetzung, Informatik, Design, Kampagnenarbeit. Aber manchmal auch Baumaterialien, handwerkliche Fähigkeiten, Ortskenntnisse, Einrichtungsgegenstände und vieles mehr. Firmen können hier ihre Expertise und Kompetenz einbringen. Hier sind auch Partnerschaften zwischen einer Firma und einer (Not)-Unterkunft möglich: Die Firmen helfen beim Wohnungsfinden, packen beim Einrichten und Umzug mit an oder stellen ihre Kompetenz den Initiativen in der Umgebung zur Verfügung.

Darlehn / Spenden zur Zwischenfinanzierung

Gelegentlich dauert es – zumindest in Berlin – bis zu drei Monate bis private Vermieter die Mietzahlungen von den Ämtern erhalten. Das ist für viele nicht finanzierbar und so scheitern häufig potentielle Vermittlungen. Die Initiativen helfen so gut sie können – aber das Geld steht dann nicht für andere Aktivitäten zur Verfügung. Es werden deshalb speziell für Berlin Geldgeber gesucht, die durch Spenden oder Darlehn helfen, einen kleinen Pool für die Zwischenfinanzierung, bis das Amt zahlt, aufzubauen. 20.000 bis 30.000 Euro würden schon sehr helfen.

Wohnungen

Manche Firmen haben Betriebswohnungen, die sie Angestellten oder auch betriebsfernen Menschen zur Verfügung stellen könnten. Die können entweder den Sozialämtern oder den Initiativen, die sich um Wohnraum für Geflüchtete bemühen, zur Verfügung gestellt werden. Wer – wegen Sprache und Organisation – nicht so gern direkt an einen Geflüchteten vermieten will, kann auch an einen der engagierten Vereine vermieten. Die kümmern sich dann selbst darum, geeignete Mieter zu finden.

Häuser oder größere Wohneinheiten zur Verfügung stellen

Nestwerk Berlin beispielsweise sucht auch größere Wohneinheiten in Berlin oder im Umland, wo 20 bis 40 Geflüchtete und Einheimische in größeren Gemeinschaften zusammenleben können – eine Art Mehrkulturenhaus, in dem sich alle einbringen, wie das beispielsweise im Refugio Berlin hervorragend vorgelebt wird. Hier ist auch längere Zwischennutzung möglich – etwa zwei Jahre oder mehr.

Bauflächen auf der Erde und Flachdächern anbieten

01PER160429JGIn den Ballungszentren fehlen Wohnungen. Es muss gebaut werden. Es existieren kostengünstige und effiziente Lösungen. Die Stiftung Hoffnungsträger beispielsweise hat die Hoffnungshäuser entwickelt. Das sind Häuser, die durch Nutzung vorgefertigter Module relativ zügig gebaut werden können. Sie sind als gemischter Wohnraum für einheimische und geflüchtete Menschen gedacht. Nötig sind „nur“ Flächen, auf die diese Häuser gebaut werden können.

Die Architekten von Nestwerk Berlin wollen sogar ohne Bauland auskommen. Sie haben kompakte, fertig eingerichtete Wohnmodule für kurzfristiges oder längerfristiges Wohnen entwickelt. Sie sind einzelne oder mehrere Menschen konzipiert und man kann sie direkt fertig auf Flachdächer z. B. von Garagen, Gemeindehäusern, Fabrikhallen, Werkstätten, Wohnblocks etc. stellen, ohne die Dachhaut zu verletzen oder die Statik zu belasten.

Natürlich kann man die Wohneinheiten auch ganz normal auf die Erde stellen. Sogar mehrere übereinander. Auch hierfür werden geeignete Flächen gesucht.

Modellprojekt: Nestwerk Berlin sucht aktuell nach einer Fläche, wo ca. Anfang 2017 eine solche Modellwohnung aufgestellt werden kann, um Interessenten zeigen zu können, wie das in echt aussieht. Wer eine Fläche hat, die sich dafür eignet – bitte Kontakt mit uns aufnehmen.

Flächen zu pachten oder zum Bauen: Gesucht werden darüber hinaus Firmen und Vereine bundesweit (vor allem in Ballungsräumen), die über geeignete Flächen auf der Erde oder auf flachen Dächern verfügen, die sie entweder kostenlos zur Verfügung stellen, verpachten oder selbst mit Wohnraumkuben bebauen. Eine Einheit kostet ca. 25.000 Euro und hat sich nach 15 Jahren Mietzahlungen vom Sozialamt amortisiert. Ist also in Zeiten von Niedrigzinsen sogar eine vernünftige Geldanlage.

Kontakt auch über www.nestwerkberlin.de

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