Es gibt – wir sind ja in Deutschland – einige bürokratische und praktische Herausforderungen, die es im Bereich Wohnraum vermitteln – teilen – bauen zu bewältigen gilt. Aber das ist zu schaffen.

Wer zahlt die Miete und wer ist Vertragspartner?
  • Geflüchtete, die eine Arbeit gefunden haben, zahlen die Miete selbst.
  • Bei Menschen, die bereits als asylberechtigt anerkannt sind, zahlt das Jobcenter die Miete.
  • Bei Geflüchteten, die sich noch im Asylverfahren befinden, zahlt das Landesamt für Gesundheit und Soziales.
  • Ausnahme: Bei nur kurzfristiger Mietdauer unter sechs Monaten übernehmen die Ämter leider nichts.

Vertragspartner ist die geflüchtete Person, die einzieht.

Kann ich mir die Mitbewohner oder Vermieter aussuchen?

Klar! Kein Mensch wird von uns zwangsvermittelt. Die Initiativen sorgen dafür, dass die künftigen Mitbewohner bzw. Mieter und Vermieter sich vorher kennenlernen. Wenn es passt – fein. Wenn es nicht passt, dann nein!

Was darf die Miete kosten?

Die Bruttokaltmiete ist Miete plus Betreibeskosten des Hauses (wie z.B.: Schornsteinreinigung, Versicherung, Kabelfernsehen, Gartenpflege, Aufzug, Müllabfuhr etc).  Ausgenommen davon sind nur die Heiz und Warmwasserkosten. Die werden separat berechnet.

Die Bruttokaltmiete richtet sich nach den Regelsätzen für Sozialhilfeempfänger, darf aber bei geflüchteten Menschen 20% (Beträge in Klammern)  mehr betragen. Die 20%-Regelung greift immer dann, wenn eine Wohnungslosigkeit droht bzw. vorliegt. Dies gilt auch für geflüchtete Personen, die in Not- oder Gemeinschaftsunterkünften und Hostels untergebracht sind. Die Kaution wird in Form eines Darlehens übernommen und darf maximal die dreifache Höhe der Nettokaltmiete betragen.

  • 1 Person: 364,50 (437,40)
  • 2 Personen: 437,40 (524,88)
  • 3 Personen:518,25 (621,90)
  • 4 Personen: 587,35 (704,82)
  • 5 Personen: 679,97 (815,96)
  • 6 Personen: 764,09 (916,91)
  • 7 Personen: 848,21 (1017,85)
  • jede weitere Person: 80,12 (100,94)

 

Die aktuellen Angemessenheitsgrenzen für Miete und Heizkosten für Geflüchtete, die ihre Miete vom Sozialamt / LaGeSo beziehen findest du hier. Mitarbeiter der Jobcenter, von dem Menschen mit bewilligtem Asylantrag ihre Miete beziehen haben in der Regel noch einen Ermessensspielraum von 10%.
Vermitteln wir auch an Minderjährige?

Die Vermittlung von Kindern ist sehr aufwänig, weil in diesem Fall mit dem Jugendamt kooperiert werden muss. Daher beschränken sich die Initiativen hier auf die Vermittlung von Wohnraum für Menschen ab 18 Jahren. Viele der jungen Menschen ab 18 freuen sich auch über Begleitung. Viele von ihnen würden besonders gern bei Familien oder WGs wohnen, um Anschluss zu haben und sich an das Leben in Deutschland zu gewöhnen.

Falls ihr auf jeden Fall Kinder oder Jugendlichen aufnehmen möchtet, wendet euch bitte an das zuständige Jugendamt, den Arbeitskreis Junge Flüchtlinge des Berliner Flüchtlingsrates oder den Bundesfachverband für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Ehrenamtlich für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge engagieren kann man sich z. B. bei Lebenswelt Berlin.

Wie lange dauert das Ganze?

Schritt 1: Einander finden. Ein paar Stunden bis Wochen. Wenn ein Zimmer oder eine Wohnung vorhanden ist, kann es – je nach Initiative – ein paar Stunden, Tage oder maximal 1 – 2 Wochen dauern, bis ein passender Bewohner gefunden und Gespräche mit beiden Parteien geführt wurden. Es soll ja auch gut passen. Besonders dann, wenn man miteinander leben möchte.

Schritt 2: Antrag auf Kostenübernahme. Ein paar Stunden bis Wochen.

Wenn man jemanden aufnimmt, will und braucht man man in der Regel Miete. Bei kurzfristigen Unterbringungen – etwa in Notfällen – von einem Tag bis zu sechs Monaten zahlen die Ämter nichts.

Geflüchtete im Asylverfahren werden vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) betreut. Wenn die Zuständigkeit beim LAF liegt, sieht der Prozess der Mietkostenübernahme vor, dass ein Antrag beim Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) gestellt wird. Hier wird nach einer Vorprüfung auf Vollständigkeit der Unterlagen der Vermieter und Unterlagen der Geflüchteten ein Termin zur Mietangebotsannahme vergeben. Danach erfolgt die Prüfung der Mietkosten und anderen Paramater der Wohnung. Sobald die Kostenübernahme vom LAF unterzeichnet vorliegt, kann der Mietvertrag unterzeichnet werden. Es folgt eine abschließende Beratung beim EJF zu den nächsten Schritten rund um den Umzug sowie Rechten und Pflichten als Mieter*in. Hier wird die Einladung zum Termin mit eine*r LAF-Sachbearbeiter*in ausgegeben, die Miete und Kaution anweist. Von der Antragsstellung bis zur Überweisung der Miete muss beim LAF mit einer Zeit von zwei Monaten gerechnet werden. Beim Jobcenter geht dies deutlich schneller. Die Ausstellung der Kostenübernahme erfolgt in der Regel am selben Tag. Mit dem unterschriebenen Mietvertrag bittet man dann um die Anweisung der Miete zum Mietbeginn. Das LAF zahlt rückwirkend bis zu drei Monaten vor dem Tag der Antragsstellung.

Anerkannte Flüchtlinge werden von den jeweiligen Jobcentern betreut. Leider ist je nach Jobcenter ist das Prozedere verschieden. Bei manchen kann man direkt mit Wartemarke beim Sachbearbeiter vorsprechen, um sein Angebot einzureichen und sogar direkt bewilligt zu bekommen. Bei anderen erhält man nur das Formular KDU zum Ausfüllen und Einreichen und erhält dann schriftlich die Antwort, dass die Mietkosten übernommen werden würden. Dann kann man den Mietvertrag unterzeichnen und zur Kostenübernahme einreichen.


Wichtig: Wenn die Wohnung in einem anderem Bezirk liegt als in dem man bisher registriert ist, muss man den Jobcenter Leistungsantrag und den Mietkostenantrag komplett neu im neuen zuständigen Bezirk stellen! Es ist gut, eine Kopie der ausgefüllten Unterlagen zu behalten, sonst hat man doppelte Arbeit! Und es kann auch sein, dass man für den Antrag auf Erstausstattung dann auch erst beim neuen Jobcenter stellen soll.

Berlin_hilft erklärt die Details noch einmal ganz genau.

 

 

 

Wer zahlt die Wohnungseinrichtung?

Geflüchtete erhalten von den Ämter finanzielle Unterstützung für die Erstausstattung ihres Zimmers oder ihrer Wohnung. Berlin_hilft hat eine gute Übersicht dazu, wie viel man genau wofür erhält.  Das ist eher knapp bemessen und es kann passieren, dass man das Geld erst einige Wochen nach dem Einzug ausbezahlt bekommt. Hier kann man Freunde und Bekannte bitten, leihweise oder dauerhaft mit Möbeln oder Geschirr zu helfen. Weitere gute Adresse für kostenlose oder günstige Möbel sind:

Weitere Tipps bitte an uns melden!

Wer hilft bei Schwierigkeiten?

Wo Menschen zusammen leben, bleiben Schwierigkeiten nicht aus. Meistens hilft es, Probleme offen und direkt anzusprechen und gemeinsam eine Lösung zu suchen. Wir empfehlen, die Vermittlung über eine der Initiativen laufen zu lassen – da kann man dann, sollte es sprachliche, kulturelle oder zwischenmenschliche Probleme geben, auch um Unterstützung bitten. Wir als Nestwerk wollen – zu den Begleitern, die es in den Initiativen schon gibt – zunehmend auch Menschen ausbilden, die Wohnpartnerschaften begleiten. Und klar: Wenn es nicht gelingt eine Lösung zu finden, kann das Wohnverhältnis natürlich auch wieder – wie bei jeder anderen WG oder Wohnung aufgelöst werden.

Wo kann ich eine Wohnung anbieten?

Wenn Sie ein Zimmer oder eine Wohnung haben, die Sie gern einem Geflüchteten anbieten möchten, freuen wir uns alle: Die Geflüchteten und natürlich alle Menschen, die sie begleiten.

Am besten Sie sehen bei den Angemessenheitsgrenzen nach, ob die Miete, die sie erwarten auch von den Ämtern übernommen werden würde. Wenn ja, wählen Sie eine der Initiativen aus, die Ihnen von der geographischen Lage oder der Ausrichtung her zusagt. Die Inititiativen begleiten Sie dann bei weiteren Schritten.

Wenn Sie gern alles selbst in die Hand nehmen möchten, können Sie Zimmer und Wohungen auch bei Home4Refugees und Wohnung auch bei EJF, dem offiziellen Partner des LAF melden.

Darf die Vermittlung etwas kosten?

Alle Initiativen hier bei Nestwerk vermitteln Zimmer und Wohnungen ohne Gebühren. Sie leisten die Arbeit durch ehrenamtliche Mitarbeiter und / oder Spenden. Es gibt auch professionelle Makler, die Wohnraum vermitteln und dafür Provision bekommen. In Berlin ist eine doppelte Monatsmiete die übliche Maklerprovision. Alles, was darüber hinaus geht, ist unserös und kann als ausbeuterisch bezeichnet werden.

Wie groß muss die Wohnung sein?

Hierfür gibt es von Senatsseite genauso klare Vorgaben wie für die Angemessenheitsgrenzen der Miete. Aktuell kann man sich darauf berufen, dass bei Personen ab sechs Jahren neun Quadratmeter angemessen sind, Kinder bis sechs Jahren brauchen sechs Quadratmeter. Stehen Räume zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung reichen sechs bzw. vier Quadratmeter. Ausschlaggebend für die Raumgrößen ist der Grundriss.

Was beinhaltet ein vollständiges Mietangebot?

Ein vollständiges Mietangebot verfügt über eine Aufschlüsselung der Miete nach Nettokaltmiete und kalten Betriebskosten (ergeben die sogenannte Bruttokaltmiete) sowie den Heizkosten. Darüber hinaus führt es folgende Informationen auf: Adresse der Wohnung, Mietbeginn, Größe und Zimmeranzahl, Heizungsart und Warmwasserversorgung, Größe des Gebäudes, Art der Miete (Eigentum, Untermiete oder Hausverwaltung), bezugsfähiger Zustand, Angaben zu*r Vermieter*in und Unterschrift. Da ersichtlich werden soll, dass das Angebot für den/die Bewerber*in ist, bitte personalisiert ausstellen.

Zusätzlich sind dem Mietangebot beizufügen:

  • Bei privater Vermietung ein Eigentumsnachweis oder eine unterzeichnete Erklärung zum Besitz (LAF)
  • Bei Untervermietung den Hauptmietvertrag und die Erlaubnis zur Untervermietung beifügen. Beim Vertrag reichen die Seiten mit den wichtigsten Angaben. Dazu gehören die Vertragspartner*innen, Mietbeginn und -ende, Miethöhe und die Unterschriften. Wenn die Miete angepasst wurde, bitte darüber einen Nachweis beifügen. Abrechnungen können ggf. auch erfragt werden.

Falls ein Teil der Bedarfsgemeinschaft Leistungen über das LAF und ein anderer Teil Leistungen über das Jobcenter bezieht, verlangt das LAF die anteilige Kostenübernahme vom Jobcenter.

Wer hat Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein (WBS)?

Befindet sich eine Person noch im Asylverfahren oder hat sie nur eine Duldung wird sie keinen WBS erhalten. Hierfür bedarf es einer Bleibeperspektive. Diese liegt bei allen vor, die über eine Aufenthaltserlaubnis verfügen. Voraussetzung ist der gewöhnliche Aufenthalt in Deutschland und der Leistungsbezug nach ALG II bzw. ein Gehalt, das unterhalb einer bestimmten Grenzen liegt. Der WBS wird im Wohnungsamt beantragt.

Darf ein Mietverhältnis befristet sein?

Hier gilt das deutsche Mietrecht. Handelt es sich nicht um eine Untervermietung, ist Befristung dann möglich, wenn einer der folgenden Punkte greift und explizit im Vertrag vermerkt ist: Eigenbedarf, Instandsetzung der Mieträume, Nutzung als Gewerberäume. Zu beachten ist bei einer befristeten Vermietung, dass das LAF beispielsweise hier eine (Teil)möblierung und eine Mindestmietzeit von sechs Monaten voraussetzt.

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Katharina Stökl, die unsere FAQs betreut und ergänzt, freut sich über deine E-Mail. Du kannst sie hier kontaktieren: interaxion@offensiv91.de